K-Pop bald überall

Ausverkaufte Tickets nach wenigen Minuten, kreischende Fans, höher schlagende Herzen und Freudentränen in jedem Gesicht.

Vom K-Pop hat spätestens seit dem Song „Gangnam Style“ jeder einmal gehört. Seit der in 2012 veröffentlichten Single von Psy macht südkoreanische Musik die Runde. Zwei Monate nach der Veröffentlichung wurde der K-Track im Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen, als das beliebteste Video mit den meisten Likes in der YouTube-Geschichte.

Bei den MTV Europe Awards 2012 gewann er in der Kategorie „Best Video“. In Südkorea, Deutschland, der Schweiz und Österreich belegte er Platz 1 der Charts, in den USA Platz 2. Allein bis Oktober 2013 wurde die Single 10 Millionen Mal verkauft. Heute hat der berühmt gewordene Gangnam Style auf YouTube 3,2 Milliarden Aufrufe.

Doch was steckt hinter den schrillen Tänzen, den Videos und der Musik? Es ist die immer größer werdende Musikindustrie der Korean Popular Music, die heutzutage von Rap, Rock und Techno beeinflusst wird.

Lange Zeit war koreanische Musik verboten. Bis 1945 wurde das Land vom japanischen Kaiserreich regiert. Den koreanischen Sängern war es untersagt, sich künstlerisch auszuleben. So erfolgte der musikalische Einfluss nur von Japan.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Südkorea von US-amerikanischen Truppen besetzt. Während 1950 im Koreakrieg die Bomben knallten, organisierten die amerikanischen Besatzungstruppen Konzerte, welche zu den ersten westlichen Einflüssen führten.

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Boy- und Girlgroups nach dem amerikanischen Vorbild gegründet wurden. Der J-Pop aus Japan versucht zu konkurrieren, doch ist der Erfolg noch gering im Vergleich zu Südkorea.

Der Weg zum south korean idol

Der K-Pop hat sich schon so weit entwickelt, dass Menschen aus der ganzen Welt koreanisch lernen und versuchen in die großen Talentagenturen hineinzukommen. SM-, YG- und JYP-Entertainment sind die größten Agenturen. Zusammen erwirtschafteten sie bereits 2015 einen Umsatz von fast 500 Millionen Dollar.

In den meisten Fällen werden schon Kinder im Alter von 10 Jahren ausgebildet. Sie erhalten Fremdsprachen-, Tanz-, Gesangsunterricht, eine allgemeine Schulbildung und Verhaltensregeln, die sie Fans und Journalisten gegenüber einhalten müssen. Nicht selten beinhaltet der Vertrag, dass sie keinen Partner haben dürfen, damit sie den Fans die alleinige Aufmerksamkeit schenken. Freunde außerhalb der Gruppe sind ebenso nicht erlaubt.

Besonders bei Girlgroups kommt noch hinzu, dass sie Diäten einhalten müssen. Sera von Nine Muses zum Beispiel hält die 3 Papierbecherdiät ein. Ein Becher Reis, ein Becher mit einer Beilage und ein Becher mit Gemüse oder Obst. Sie ist 1,70 m groß und wiegt 50 kg. Ihr Ziel ist es, weiter abzunehmen.

Damit die Agenturen besseren Einfluss auf die Diäten und das Trainingsprogramm haben können, wohnt die ganze Band zusammen. Die Mitglieder sollen bis tief in die Nacht trainieren. Schlafen können sie zwei bis drei Stunden am Morgen, dann geht es wieder weiter.

Dem harten Leistungsdruck zum south korean idol kann nicht jeder standhalten. Kim Jonghyun der Frontsänger der berühmten K-Pop Band Shinee begann im Dezember 2017 mit 27 Jahren Selbstmord. Viele andere Künstler treten nach einigen Jahren aus dem Rampenlicht zurück und suchen sich einen anderen Job.

Ich habe mich gefragt, was ist es, was K-Pop so besonders macht? Wie gewinnt die Musik an Fans aus der ganzen Welt? Auf allkpop.com, der größten K-Pop Website, habe ich ein Profil erstellt und mich auf die Suche gemacht nach Fans, die mir meine Fragen beantworten können.

Der 20-jährige Alliyah Alexander aus den USA: „Der Fakt, dass diese Sänger 24/7 arbeiten und jährlich ein neues Album produzieren, dazu ständig im Fernsehen sind, zeigt, dass sie noch härter arbeiten, als amerikanische Künstler. Ich finde das beeindruckend!“

Die 18-jährige Marie Nyborg aus Dänemark: „Was ich am K-Pop liebe sind die Choreographien, die Stimmen, das Rappen und die Arbeit, die in jedem Comeback steckt… Das Comeback hält Dich auf Trab. Jedes mal ändert Deine Lieblingsgruppe die Frisur oder Haarfarbe und veröffentlicht neue Musik… Die Sprache macht mir nichts aus.”

Aaron Sobreviñas: „Ich stelle fest, dass sie den Fans näher sind, als westliche Künstler.“

BTS (Bangtan Boys) ist mittlerweile die berühmteste K-Pop Band. Sie wurde im Juni 2013 gegründet und besteht aus sieben Mitgliedern. Bisher erhielt sie 98 Nominierungen und 61 Auszeichnungen. Die Band gehört zu den Top 25 der einflussreichsten Künstler der Welt, mit 5 Millionen verkauften Alben, Platz 1 auf ITunes in 65 Ländern und über 30 Millionen Follower auf sozialen Netzwerken.

Im Januar 2018 meldete der Social Medien Beobachter Google Facts, dass die Boyband eine höhere Aktivität im sozialen Netz erzeugt, als sämtliche Tweets von US-Präsident Donald Trump.

Durch die verschiedenen Persönlichkeiten der Gruppenmitglieder kann sich jeder Fan den eigenen Liebling aussuchen. Sie verbinden die Bereiche Performance, Musik und Fashion. Ein qualitatives Musikvideo mit Lichteffekten, schnellen Kamerabewegungen, eingeübten Gruppentänzen und Animationen gilt als absolutes Muss in der K-Pop Welt.

Die Musik besteht meist aus einem elektronischen Beat und den Stimmen der verschiedenen Gruppenmitgliedern. Alles wird im Studio abgemischt und bearbeitet. Nicht selten steckt hinter den typischen Liebes-Lyrics ein Ghostwriter.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kleidung. Was einmal auf der Bühne getragen wurde, wird mit höchster Wahrscheinlichkeit nie wieder angezogen. Es geht um den Überraschungseffekt oder auch “Comeback” genannt. Wichtig ist, dass sie bunt, kreativ und bequem ist. Sie sollen schließlich darin tanzen können.

Was die großen K-Pop Künstler tragen, tragen auch bald die Fans. Das wissen auch die Modedesigner. Sie arbeiten zusammen mit den Sängern und versuchen so, ihre Kleidung zu vermarkten. Der Künstler G-Dragon von der Band Big Bang besitzt eine eigene Modemarke mit dem Namen Peaceminusone. So schafft er seine komplett eigene Stilrichtung. Das alles dargestellt mit einer abgestimmten Performance führt zum großen Erfolg.

Am 16. und 17. Oktober tritt die Boyband BTS in der Berliner Mercedes-Benz-Arena auf. Die 30.000 Karten waren innerhalb von 9 Minuten ausverkauft. Auf eBay wird mit einem Ticketpreis ab 339,- Euro gehandelt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der K-Pop den europäischen Musikmarkt überschwemmt und wie die Reggaetonwelle mit Songs wie „Despacito“ von Luis Fonsi und Daddy Yankee aus den Radioboxen dröhnt.

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