taz-Chefredakteur Georg Löwisch spricht über die Arbeit der Chefredaktion

Die Chefredaktion der taz besteht aus Georg Löwisch sowie den beiden stellvertretenden Chefredakteurinnen Barbara Junge und Katrin Gottschalk.

Zu deren Hauptaufgaben gehören die personelle und konzeptionelle Entwicklung der Redaktion. Sie stimmen sich mit der Geschäfts­leitung und den RessortleiterInnen ab, wenn es um Fragen der Belegschaft geht und beschäftigen sich mit der Suche, Auswahl und Koordination von AutorInnen. Sie kontrollieren die Arbeitsergeb­nisse der MitarbeiterInnen, kümmern sich um das Zeitmanagement der Redaktion und achten auf die internen Standards im Online-Bereich.

Die Themenplanung der taz findet zunächst in den Ressorts und am Desk statt, an dem der Nachrichtenchef und die Themenchefin sitzen. Die Chef­redaktion ist an der Themenplanung beteiligt. Ebenso hat die Chefredaktion das Budget im Blick und organisiert die Arbeitsabläufe innerhalb des eigenen finanziellen Rahmens. Presserecht­liche Ansprüche, die gegen die taz geltend gemacht werden, gehören ebenfalls zu den Aufgaben, mit denen sie sich laufend beschäftigen.

Um in die Chefredaktion aufsteigen zu können, werden meist langjährige Erfahrungen als Redak­teurIn sowie Marketing- und Personalführungskenntnisse verlangt.

Georg Löwisch ist seit 2015 Chefredakteur der taz. Bereits vor Abschluss des Studiums in Leipzig arbeitete er als freier Reporter für Zeitungen, verschiedene ARD-Radios und den Fachdienst epd medien. Bei der taz in Berlin absolvierte er 1998 sein Volontariat, verantwortete ab 2001 die Reportage-Seite, wurde 2005 innenpolitischer Reporter und 2009 Gründungsressortleiter der sonntaz, der heutigen taz am Wochenende. Zwischen 2012 und 2015 arbeitete er als Textchef und Autor bei Cicero und kehrte danach als Chefredakteur zur taz zurück.

Fotocredit: Anja Weber ©taz

Vorab möchte ich mich bei Ihnen für die Bereitschaft zu diesem Interview bedanken. Überstunden sind für einen Chefredakteur meist eher die Regel als die Ausnahme. Wie viel Stunden arbeiten Sie durchschnittlich in der Woche?

„50 bis 60 Stunden.“

Die Digitalisierung hat den Journalismus massiv verändert. Im Anzeigengeschäft konkurrieren Online-Plattformen mit den journalistischen Medien. Das hat ökonomischen Durststrecken ausgelöst. Viele Leser suchen in sozialen Medien nach Informationen und verabschieden sich von gedruckten Zeitungen. Auf der anderen Seite bietet die Digitalisierung große Chancen, wie größere Reichweiten sowie crossmediale und interaktive Formate. Wie leiten Sie die Redaktion der taz durch diesen Prozess?

„Wir spielen den taz-Journalismus auf allen Kanälen. Als ich 1998 in die taz gekommen bin, gab es nur ein Produkt: Die tägliche gedruckte Zeitung von Montag bis Samstag. Heute machen wir außerdem taz.de und die taz am Wochenende. Die tägliche Ausgabe erscheint auch als App. Wir streamen live über Periscope und bringen Podcasts. Für die taz ist all dies wichtig, damit sie hörbar und sichtbar bleibt. Die Redaktion für all diese Aufgaben zu begeistern, ist das eine. Grenzen zu setzen, das andere. Dann noch ein Widerspruch: Veränderung braucht Fokus. Guter Journalismus erfordert es aber auch, dass man sich auf die tägliche Arbeit konzentriert. Wie findet man da die Balance? Wir in der Chefredaktion – meine Kolleginnen Barbara Junge und Katrin Gottschalk und ich –  müssen erklären, dass, warum und wo wir uns verändern müssen. Und gleichzeitig müssen wir immer wieder stabilisieren.“

57 Prozent der befragten Journalisten im Medien-Trendmonitor 2017 geben an, die größte Herausforderung in ihrer Arbeit sei die Glaubwürdigkeit, gefolgt von Fake News. Viele Journalisten glauben, dass die Menschen den Medien nicht mehr vertrauen. Wie gehen Sie redaktions-intern mit dieser Situation um?

„Wir nehmen unsere Leserinnen und Leser traditionell sehr ernst. Mehr als 18.000 von ihnen sichern unsere Unabhängigkeit, indem sie Mitglieder der taz-Genossenschaft geworden sind. Diese Struktur sichert unsere Unabhängigkeit und stärkt somit auch unsere Glaubwürdigkeit. In der redaktionellen Arbeit versuchen wir, die Glaubwürdigkeit zu erhöhen: Beispielsweise, indem wir auch in den Beiträgen noch deutlicher machen, welche Quellen wir verwendet haben und welche Recherchewege wir gegangen sind.“

Von Chefredakteuren wird viel verlangt. Immer unter Zeitdruck stehend, treten sie vor den Mitarbeitern auf, stärken sie, geben klare Ansagen, zeigen Durchsetzungswillen und brauchen am Ende ein gutes Selbstmanagement, um sich bei all der Arbeit gesund­heitlich nicht selbst zu gefährden. Was gehört zu den wichtigen Führungskompetenzen eines Chefredak­teurs?

„1. Sehen, wer was tut. 2. Erkennen, wer was kann. 3. Erklären, wie was geht. 4. Beurteilen, was journalistische Qualität hat. 5. Lachen, vor allem über sich.“

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